Osnabrücks Innenstadt im Abwärtstrend: FDP/UWG kritisiert Grüne/SPD/Volt und liefert Lösungen für B- und C-Lagen
Die Gruppe FDP/UWG begrüßt die wachsende öffentliche Aufmerksamkeit für den Leerstand in der Innenstadt und fragt sich, warum es so lange gedauert hat.
Der jüngste NOZ-Bericht über die Innenstadtkrise zeigt, dass das Problem in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Laut dem Handelsmonitor 2025 stehen im Innenstadtzentrum bereits 68 Erdgeschossflächen leer, was einer Quote von neun Prozent entspricht. Schwerpunkte sind der Neumarkt, die Theaterpassage und vor allem die Randlagen der Innenstadt. Dabei ist der Leerstand kein neues Phänomen. Er wächst seit Jahren. Und das, obwohl Verwaltung und Marketing Osnabrück eigens Stellen dafür geschaffen haben, um das Problem zu bekämpfen. Die Ergebnisse sprechen für sich. Pop-up-Stores, einst als Übergangslösung für leerstehende Flächen gefeiert, sind weitgehend verschwunden. Eine echte Trendwende bleibt aus.
Umso erstaunlicher ist da das Vorgehen der Mehrheitsgruppe aus Grünen, SPD und Volt. Noch in der letzten Ratssitzung brachte sie den Antrag „Lebendige Quartiere“ ein und beauftragte die Verwaltung mit einem weiteren umfangreichen Programm für alle Stadtteile, von kommunalen Flächenbörsen über Modellprojekte bis hin zur Koordination mit Hochschulen, IHK und sozialen Trägern. Oliver Hasskamp, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der Gruppe, kritisierte das zu Recht in der Ratssitzung: „Seit Jahren schaffen wir es nicht, die Innenstadt als Einkaufs- und sozialen Treffpunkt wirklich lebendig zu gestalten und jetzt sollen wir gleichzeitig alle Quartiere retten? Der Schwerpunkt muss die Innenstadt sein. Wenn wir diese verlieren, verlieren wir das Herz unserer Stadt.“ Kaum ist die Kritik ausgesprochen, entdeckt die Mehrheitsgruppe das Thema Innenstadt und kündigt nun öffentliche Podiumsdiskussionen dazu an. „Die Mehrheitsgruppe trägt seit 2021 Verantwortung für die Stadtentwicklung und erst jetzt kurz vor der Kommunalwahl beschäftigt sich diese mit dem Leerstandsproblem. Warum nicht früher?“, fragt der Gruppenvorsitzende Dr. Thomas Thiele.
Die FDP/UWG sieht die Entwicklung seit Jahren kritisch und hat einen konkreten Antrag entworfen, den sie in den Stadtentwicklungsausschuss und den Rat einbringen wird: die erleichterte Umwidmung von gewerblichem Leerstand zu Wohnraum – vor allem in B- und C-Lagen. „Ehrlicherweise wird man den Leerstand in den Randlagen der Innenstadt nicht durch weitere Förderprogramme lösen können. Selbst in A-Lagen wird es zunehmend schwieriger. In B- und C-Lagen ist der gewerbliche Leerstand strukturell bedingt und dauerhaft. Deshalb müssen wir die Potenziale dieser Flächen für den Wohnraum nutzen“, erklärt Hasskamp. „Leerstände schaden dem Stadtbild, ziehen weitere Leerstände nach sich und belasten die Eigentümer. Jede genutzte Immobilie ist besser als Leerstand.“
Osnabrück hat unter anderem aufgrund von rund 27.000 Studierenden an zwei Hochschulen einen konstant hohen Bedarf an bezahlbarem Wohnraum. Der Wohnungsmarkt ist angespannt. Die Umwidmung leerstehender Gewerbeflächen schafft einen doppelten Mehrwert: mehr Wohnraum und eine lebendigere Innenstadt ohne tote Schaufenster. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind aktuell so günstig wie nie zuvor. Die Novelle der Niedersächsischen Bauordnung (§ 85a NBauO, seit Juli 2024) erleichtert den Umbau und Nutzungsänderungen erheblich, und der bundesweite „Bauturbo“ (§ 246e BauGB, seit Oktober 2025) ermöglicht es Kommunen, Nutzungsänderungen zu Wohnzwecken ohne langwierige Bebauungsplanänderungen zu genehmigen. „Die rechtlichen Möglichkeiten liegen auf dem Tisch. Jetzt braucht es den politischen Willen, sie auch zu nutzen“, so Dr. Thiele.
„Es sind dieselben Parteien, die seit Jahren in der Mehrheit die Stadtentwicklung mitverantworten und die Innenstadt in diesen Zustand haben gleiten lassen“, ergänzt Hasskamp. „Weniger Ankündigung, mehr Handlung. Die FDP/UWG macht den Anfang.“