FDP: Kein städtisches Fördergeld fürs Hauseinpacken mit Sondermüll

FDP: Kein städtisches Fördergeld fürs Hauseinpacken mit Sondermüll

Robert Seidler

Dr. Thomas Thiele

Osnabrück, 27.11.2019. Die Freien Demokraten im Osnabrücker Stadtrat sprechen sich gegen einen städtischen Fördertopf zur Wärmedämmung an Gebäuden aus, wenn damit auch Sanierungen von Hausfassaden mit Polystyrol-Dämmstoffen gefördert werden.
Der FDP-Fraktionsvorsitzende Dr. Thomas Thiele kritisiert: „SPD, CDU und Grüne werfen mit der von ihnen geforderten 1 Million Euro im Haushalt Geld aus dem Fenster, um luftdichte Außendämmungen zu subventionieren. So war es in den Medien zu lesen. Das ist keine seriöse Haushaltspolitik. 1 Million Euro für künftigen Sondermüll, von dem heute noch keiner weiß, wie der entsorgt werden soll, tragen wir als FDP-Fraktion nicht mit.“
Robert Seidler, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Experte für Baurecht erklärt: „Wer sich eine Plastiktüte über den Kopf zieht und diese unten zuzieht, wird nicht mehr lange leben. Wer sein Haus außen mit Kunststoff als Wärmedämmung luftdicht abschließt und zusätzlich eine 3-fach-Verglasung einbaut, ohne für eine alternative Wohnraumbelüftung (DIN 1946 Teil 6) mit mindestens jährlichen Wartungen zu sorgen, der macht mit seinem Haus nichts anderes als suizidale Dämmpolitik.
In jedem Gebäude entsteht Feuchtigkeit, die raus muss. Bei herkömmlicher Bauweise mit einem innenliegenden Mauerwerk aus Kalksandstein, Luftschicht, Dämmung und Außenschale kann ein Haus atmen. Packt man dagegen ein Gebäude in Plastik und schließt dann die Öffnungen mit 3-fach-Verglasung auch noch luftdicht ab ohne ausreichendes Lüftungskonzept, ist es mit dem Atmen des Gebäudes vorbei und es kommt zu Schimmelpilzbildungen. Altbauten sind regelmäßig auch kaum geeignet, dass die Wände mit Kernbohrungen geöffnet werden können, um künstliche Wohnraumbelüftungen einzubauen.
Jeder Hauseigentümer hat schon heute die Möglichkeit, z.B. über die KfW-Bank Zuschüsse bis zu 5.000 Euro zu beantragen. Doppelförderungen werden von uns abgelehnt.“
Thiele und Seidler halten es dagegen für sinnvoll, die Eigentümer von Häusern mit z. B. alten Fenstern darüber aufzuklären, welche Fördermöglichkeiten heute schon gegeben sind, damit diese in Anspruch genommen werden, um z.B. 50 Jahre alte Fenster zu erneuern. „Doppelförderungen lehnen wir ab. Bei der KfW-Bank gibt es eine Vielzahl von Förderprogrammen, welche Maßnahmen der energetischen Gebäudesanierung fördern. So werden eine Fassadendämmung, eine Dachdämmung, eine Geschossdeckendämmung oder eine Kellerdämmung stets bezuschusst. Dabei werden sowohl die Materialkosten als auch die Kosten für Handwerker gefördert.“

Hintergrund:

Seit 1993 wurden nach Angaben des Fachverbands Wärmedämmverbundsysteme 769,1 Millionen Quadratmeter Dämmplatten an deutsche Häuser geklebt – eine Fläche, die größer ist als der Stadtstaat Hamburg. Allein im Jahre 2015 wurden in Deutschland 36,3 Millionen Quadratmeter solcher Dämmsysteme an die Fassaden gebracht.

/ Stadtrat

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